Heldin des Alltags: Christel Maurer

[ Heldinnen-Porträt Dezember 2020 ]

[ Maurer Consulting & Coaching I Interview am 17.11.2020 ]



Heldinnen-Affirmation:


Celebrate your Business -

Celebrate your Life!

Trau dich, dem Wunsch nach Veränderung Raum zu geben. Trau dich, das pralle Leben schon vor dem Feierabend stattfinden zu lassen. Trau dich, deinen Wesenskern zum Ausdruck zu bringen. Du wirst sehen, es lohnt sich!


Auf Christel bin ich im Zusammenhang mit der Organisation der Konferenz tomorrow @work in Austausch gekommen, bei der die Frage im Mittelpunkt stand «Wie wäre es, wenn Unternehmen & Organisationen die Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen und das Ziel jeglicher Aktivität wäre, sowohl Menschen ihr Potential zum Ausdruck bringen zu lassen (human centered ) als auch zum Wohle der Gesellschaft & der Umwelt (Gemeinwohl) beizutragen?». Eine Frage, die Christel und mich gleichermassen bewegt und uns ihn Bewegung setzt.


Christel, kannst du in ein paar Worten sagen, was deinen Weg besonders prägt:

Grundsätzlich - auch schon vor meiner Tätigkeit als selbstständiger Consultant und Coach - treibt mich der Wunsch an, die Arbeitswelt zu verändern. Ich wünsche mir Arbeitswelten, in denen das Leben nur so pulsiert. Arbeitswelten, die sinnstiftend und lebensdienlich sind und in denen Menschen die Tätigkeiten dort viel spannender finden, als das, womit sie sich normalerweise erst nach Feierabend die Zeit vertreiben. Das liegt daran, dass das Potential, das Menschen mitbringen, in der Arbeitswelt aktuell nicht genügend Raum erhält. Ich war und bin von der Motivation geleitet, Menschen, insbesondere Unternehmer*innen, dabei zu unterstützen, ihr Potential voll auszuschöpfen und nicht unter ihren Möglichkeiten zu bleiben. Und dabei gleichzeitig achtsam mit unserer Lebenswelt umzugehen. Diese beiden Themen prägen mich (und meinen Weg) sehr stark.

Diese Treiber finden passenderweise dann auch in deinen Tätigkeits-Schwerpunkten ihren Ausdruck: Du sprichst von «Beseeltem Unternehmertum und «Suffizienz/Unternehmerischer Genügsamkeit». Beides Begrifflichkeiten, die meiner Wahrnehmung nach nicht unbedingt «gesellschaftskonform» sind. Wie kam es, dass du diese Themen aufgegriffen hast?

Ich bin der Meinung, dass in jedem Mensch eine zentrale Lebensaufgabe, eine Berufung schlummert … sei es als Mitarbeiter*in, als Unternehmer*in oder auch jenseits von jeglicher Wirtschaftstätigkeit. Diese Lebensaufgabe ist für mich eng verbunden mit der Seele – oder wenn du so willst: dem Wesenskern eines jeden Menschen. Meine Erfahrungen zeigen, dass die Tatsache, ob Menschen ihrer Lebensaufgabe folgen oder nicht, unmittelbar damit verbunden ist, ob sie das eigene Leben als gelingend erleben und wirklich glücklich sind. Der eigenen Berufung zu folgen ist für mich eine essenzielle Basis für ein erfülltes Leben. Als ich ein Buch darüber schreiben wollte, war auf einmal der Begriff «Beseeltes Unternehmertum» präsent. Da wir als ganze Wesen, als ganzer Mensch einer Tätigkeit nachgehen und eine Aufgabe im Leben erfüllen – und nicht nur auf rationaler Ebene funktionieren, war dieser Begriff für mich sehr stimmig.


Das klingt ganz danach, als ob dich dieser Begriff «irgendwie gefunden» hat. Kommen wir zum Thema Suffizienz: Auch nicht gerade jedermanns/frau’s Lieblingsthema, wird es doch mit Verzicht in Verbindung gebracht. Das hängt damit zusammen, dass in der Diskussion um Nachhaltigkeit häufig Effizienzstrategien (Anm. = gesteigerte Energie- und Ressourceneffizienz) und Konsistenzstrategien (Anm. = vermehrter Einsatz regenerativer Ressourcen) in den Fokus gestellt werden. Das Thema Suffizienz (Anm. = Frage nach dem rechten Mass, massvoller Verbrauch) wird eher stiefmütterlich behandelt, auch wenn es alles andere als Verzicht bedeuten kann. Im Gegenteil: Suffizient zu leben könnte uns so viel mehr Lebensqualität schenken und Raum schaffen, damit wir Erlebnisse, Begegnungen und materielle Güter auskosten und in aller Ruhe geniessen können, anstatt uns mit der Flut von Angeboten, stressigem Entscheidungszwang sowie Zeitknappheit auseinandersetzen zu müssen. Wenn wir eine nachhaltige Entwicklung erreichen wollen, kommen wir um das Thema der Genügsamkeit nicht herum. Zum einen machen die noch zur Verfügung stehenden Ressourcen unserer Erde ein «Weiter-wie-Bisher» nicht mehr möglich. Ausserdem überfordert es uns persönlich, weil wir mit der Flut an Reizen und (Konsum-)Angeboten, mit der wir inzwischen umgeben sind, gar nicht mehr zurechtkommen. Die gravierende Anzahl an «Burn-outs» spricht für sich. Wenn wir hingegen auf das fokussieren, was uns wirklich wichtig ist, und dabei das rechte Mass finden, dann ist das ein Gewinn für uns selbst und auch für die Umwelt.


Interessant, bisher habe ich Suffizienz tatsächlich eher in Verbindung gebracht mit dem Ziel, unsere natürlichen Ressourcen zu schonen. Wie positiv sich das auf’s eigene Leben auswirkt und dass wir uns selber damit ja eigentlich viel Gutes tun, hatte ich bisher nicht im Blick. Insgesamt ist mir aufgefallen, wie lebensbejahend und lustvoll du mit diesen Themen unterwegs bist – du sprichst von Celebration, voller Freude feiern und würdigen, Mitarbeitende in den Bann ziehen und Leidenschaft wecken, von prallem Leben, Glück und Erfüllung. Da ist deutlich spürbar, dass der Verzichtmoment, der häufig mit dem Begriff Suffizienz assoziiert wird, für dich keine Rolle spielt und du den Begriff ganz anders für dich definierst. Ja, genau. Ich bin durch die Auseinandersetzung mit dem «beseeltem Unternehmertum» auf unternehmerische Suffizienz gestossen. In der Zusammenarbeit mit Menschen, die ihrer Berufung folgen, habe ich nämlich bemerkt, dass viele von ihnen ganz automatisch suffizient(er) leben. Sie verbinden ein glückliches Leben nicht mit der vorherrschenden Steigerungslogik. Weil es erfüllend genug ist, die in einem angelegte Lebensaufgabe zu verwirklichen und gar kein Bedürfnis nach Zusatz- oder Ersatzbefriedigung im Vordergrund steht.

Auch bei Unternehmer*innen ist das der Fall: Wenn die Berufung im Sinne einer bestimmten Geschäftsidee im Vordergrund steht und nicht die Gewinnmaximierung, dreht sich alles um den Fokus «Wie kann ich am besten meine Idee verwirklichen?». Gewinn zu erwirtschaften ist dann Mittel zum Zweck und nicht umgekehrt. Interessanterweise habe ich festgestellt, dass etliche Unternehmen bereits suffiziente Unternehmensstrategien umsetzen, ihnen das aber oftmals gar nicht so bewusst ist. Darüber hinaus hebeln manche Unternehmen die Wachstumslogik aus, indem sie die bewusste Entscheidung treffen, kein weiteres (personelles, finanzielles oder sonstiges) Wachstum anzustreben, wenn dies der Realisierung der sinnstiftenden Geschäftsidee zuwider liefe. Auch, weil dadurch beispielsweise die Qualität der Produkte oder die eigene Lebensqualität leiden würden.


Wir haben bisher viel von deinem beruflichen Engagement gesprochen … aber ganz nebenbei bist du auch noch Mit-Initiatorin von «Teil der Lösung», welche die LifeLabs im Kulturpark Zürich organisiert. Was genau ist das und was hat dich dazu bewogen, diese Initiative ins Leben zu rufen?

Mit den LifeLabs richten wir uns an alle, die ihren Lebensstil zukunftsfähiger gestalten wollen. Diese Events finden viermal im Jahr an einem Sonntagnachmittag zu verschiedenen Themen statt. Neben theoretischen Fakten aus der Wissenschaft gibt es auch ganz praktische Impulse von Expert*innen, die das leben, wovon die Rede ist. Entstanden ist das Ganze 2018 zusammen mit Tara Welschinger, Geschäftsführerin vom ersten ZeroWaste Ladencafé in Zürich, die ich auf einer Tagung zum Thema „Suffizienz“ kennengelernt hatte - aktuell organisiere ich die LifeLabs mit Susanna Niederer, Inhaberin von KlimaHandlung. Mich hat zu damaligen Zeitpunkt der gerade erschienene Bericht des Weltklimarats sehr bewegt. Mir wurde bewusst, wie sehr die Zeit drängt und dass - wenn wir den Klimawandel begrenzen wollen - es längst nicht ausreicht, wie wir unterwegs sind. Und so haben Tara und ich uns gefragt, was wir selbst noch tun können, um zu einer positiven Veränderung beizutragen.

Gab es im Zusammenhang mit den LifeLabs so etwas wie ein Aha-Erlebnis für dich - etwas, das dich besonders geprägt hat?

Jede Veranstaltung war inspirierend, intensiv und lehrreich für mich – von jedem LifeLab habe ich etwas mitgenommen und Dinge erfahren, die neu für mich waren. Den Rückmeldungen auf die Veranstaltungen zufolge ging das nicht nur mir so; auch die Teilnehmenden ebenso wie die eingeladenen Expert*innen haben berichtet, dass sie bewegt und bereichert nachhause gingen. Ich selber schätze die Kombination aus persönlichen Geschichten von Praktiker*innen und den wissenschaftlichen Inputs, die das Ganze theoretisch untermauern. Das ergibt befruchtende Diskussionen und eine vielschichtige Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema.


[ Suffizient und nachhaltig leben erhöht die Lebensqualität]

Beispielhaft kann ich vielleicht das LifeLab zum Thema „nachhaltiges Reisen und Mobilität“ herausgreifen, weil dort anhand einer Reise nach Mallora mit Zug und Schiff sehr gut aufgezeigt wurde, dass alternative Formen des Reisens in keinster Weise „lustschmälernd“ sein müssen, sondern einen Zugewinn an Reisequalität darstellen können. Auch das letzte LifeLab zum Thema „Was können wir vom Wald als Lebensraum lernen?“, den wir im Wald verbracht haben, hat mich sehr geprägt: Seitdem laufe ich mit ganz anderen Augen und einer viel intensiveren Verbindung zur Natur durch den Wald.

Und wenn du jetzt auf deinen bisherigen Weg zurückblickst, welche (Lern-)Erfahrungen nimmst du mit?

Eins ist mir immer wieder aufgefallen: Wir könnten soviel mehr, wenn wir es uns nur zutrauen würden. Denn die Freiheitsgrade, die wir haben, sind in der Regel viel grösser, als wir annehmen und viele Menschen bleiben unter ihren Möglichkeiten. Häufig schlicht und einfach aus dem Grund, weil sie sich selber begrenzen und es nicht wagen, den Schritt über diese Grenze(n) zu tun. Demgegenüber gibt es Menschen, die einfach machen und sich keine Gedanken über mögliche Begrenzungen machen oder sich schlicht darüber hinwegsetzen. Das sind oft diejenigen, die aufzeigen, wieviel eigentlich möglich wäre, wenn wir mal unserem Kopfkino, unseren Wenn und Aber-Gedanken, weniger Raum geben.

Gleichzeitig erlebe ich auch, dass immer mehr Menschen den Mut haben, ihren Weg zu gehen und ihre Lebensaufgabe zu verwirklichen. Und dass sich dies unwillkürlich auf ihr Leben auswirkt, sie dieses dann auch als glücklicher und erfüllter erfahren.


[ Erst dann agieren, wenn die Zeit dafür reif ist ]

Was mich betrifft, habe ich Dinge immer erst dann begonnen, wenn es für mich stimmig war. Darum habe ich zum Beispiel vor dem Studium eine Schleife gedreht oder mir eine längere Vorbereitungszeit für die Selbstständigkeit zugestanden. Aber wenn ich die Entscheidung etwas Neues zu beginnen, schliesslich getroffen hatte, habe ich eigentlich nie am Sinn dessen gezweifelt. Ich lasse mich ja auch von meiner Berufung leiten. Deshalb erlebe ich mein Tun als sinnstiftend und erfüllend, selbst wenn es logischerweise auch mal Durststrecken zu überwinden gilt.

Wenn du all den Frauen, all den Menschen da draussen jetzt noch etwas mit auf den Weg geben könntest – was wäre das?

Wenn du den Wunsch verspürst, Veränderungen einzuleiten … und diese Gedanken immer wieder in dir auftauchen … dann habe den Mut, dich mit diesem Impuls auseinanderzusetzen und ihm zu folgen. Ich kann nur sagen – es lohnt sich. Auch wenn es herausfordernd scheint. Denn trotz allem ist dieser Weg oft leichter, als wenn du im Altbekanntem verhaftet bleibst. Ich möchte dir Mut zusprechen, auf Entdeckungsreise zu gehen, (eigene) Grenzen zu überschreiten und Möglichkeiten zu erkunden, die jenseits dieser Begrenzungen liegen –> und den Weg zu beschreiten, der (von deinem Wesenskern her) gegangen werden will.


Merci, liebe Christel für diesen ermutigenden Tipp und das Gespräch!


P.S.: Wer mehr über «Beseelte Arbeitswelten» und «Unternehmerische Suffizienz» erfahren möchte, dem seien folgende Beiträge von Christel ans Herz gelegt:


Buch «Beseelte UnternehmerInnen»: Plädoyer für einen Wandel in der Wirtschaft. Christel Maurer porträtiert bekannte und weniger bekannte Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich einer sinnstiftenden Geschäftsidee verschrieben haben, um zu einem zukunftsfähigen Wirtschaftssystem und vielleicht sogar einer besseren Welt beizutragen. www.beseelte-unternehmerinnen.ch


Buchbeitrag «Unternehmerische Suffizienz, persönliches Glück und ökologische Verantwortung» im Buch: «Chefsache Zukunft. Was Führungskräfte von morgen brauchen.» www.springer.com


Beitrag zum Thema Suffizienz: Ich habe genug / Suffizienz und was die SDG’s nicht enthalten http://nachhaltig.at/pdf/susa79.pdf


Infos zu den nächsten LifeLabs im Kulturpark/Zürich findet ihr hier:

https://teilderloesung.ch/











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