Heldin des Alltags: Karin Ricklin-Etter

Aktualisiert: Mai 2

[ Heldinnen-Porträt Mai 2021 ]


[ WEshare1 I Interview am 12.04.2021 ]



Heldinnen-Affirmation:


Kompass:ion für SICH selbst ebenso wie für ein WIR zeigen!!

Hab den Mut dein eigenes Potential zu leben und Wege zu finden, dieses Potential (zusammen mit anderen) zum Ausdruck zu bringen. Vertrau der kollektiven Kraft, es gemeinsam zu schaffen. Let’s grow together!.


Die Connection zu Karin kam durch «LinkedIn» zustande ... vorher nicht gekannt, ist sie auf einen Post bzw. Kommentar von mir aufmerksam geworden, hat weitere Inputs von mir gelesen, Verbindungen gesehen und mich für eine Vernetzung angefragt. Auch ich habe auf den ersten Profil-Blick viele verbindende Elemente zwischen uns beiden festgestellt und war bzw. bin nach wie vor begeistert von ihrem Engagement für das Thema Job-/Topsharing; insbesondere, weil es bei ihr für gelebtes WIR und Miteinander steht. Ich selbst hatte mich 2017 ausserdem als Jobsharing-Tandem auf eine Stelle beworben. Insofern bin ich mit diesem Thema auch persönlich verbunden.

Karin lebt für mich die «Power of Connection» ... seit ich mit ihr in Kontakt bin, bin ich bereits mit mehreren Leuten in Austausch – weil Karin Verbindendes zwischen uns gesehen und mich auf sie aufmerksam gemacht hat. Zusammen mehr erreichen ... diese Heldinnen-Kraft lebt und verkörpert Karin für mich in ihrer ganzen Breite und Tiefe.


Karin, wenn wir heute, 12. April 2021 – 9:00 Uhr als «Referenzpunkt» nehmen würden, um einen Einblick in dein Leben zu bekommen, was würden wir dann sehen? Was prägt dich am heutigen Tag, wo stehst du gerade, wofür brennst du aktuell?

Dann würdet ihr eine leicht nervöse Frau voller Vorfreude auf die bevorstehende Geburt ihres neuen Projekts WEshare1 und dem Go-Live der dazugehörigen Plattform sehen. Ich brenne für Jobsharing und Topsharing und möchte das Thema mit WEshare1 stärker in den Fokus rücken und vorantreiben.


Was ist unter den Begriffen Job- bzw. Topsharing zu verstehen?

Beim Jobsharing teilen sich zwei oder mehrere Arbeitnehmende eine Vollzeitstelle – und zwar als Team. Die Aufgaben und Arbeitszeiten teilen sich die Jobsharer:innen in der Regel selbständig untereinander auf. Die Gesamtverantwortung tragen sie gemeinsam.

Beim Topsharing (teils auch «Co-Leadership» oder «geteilte Führung» genannt) teilen sich die Partner:innen eine Führungsposition, die auch Personalverantwortung mit sich bringt.


Welchen Bezug hat dieses Thema zu deinem eigenen Leben – sei es aus beruflicher Sicht, sei es aus privatem Hintergrund?

Für mich kommen mit WEshare1 verschiedene Fäden aus meinem Leben zusammen: Zum einen fliessen dort sicherlich meine Erfahrungen als Human Resources (HR)-Person ein. Im beruflichen Kontext habe ich immer wieder mitbekommen, wie strukturelle Gegebenheiten Menschen und Mitarbeitende in ihrem Potential einschränken können. Beim Jobsharing hingegen öffnet sich ein Raum für verschiedene Personengruppen: Neben Frauen und Müttern gibt es auch andere Menschen, die von diesem Modell profitieren können – wie beispielsweise Personen mit Alter 50plus, mit Beeinträchtigungen, Berufseinsteigende oder Menschen, die aufgrund anderer Gegebenheiten keinen Vollzeitjob ausüben können oder wollen. Job-/Topsharing bietet im Sinne von «Fix the system» auf struktureller Ebene eine Möglichkeit zu Empowerment.


[ Ich und WIR ... und wie das zusammen geht. ]

Im Grunde genommen möchte ich mit WEshare1 Menschen ermutigen, ihr Potential zu leben – in jeder Lebenslage. Mir ist es aber wichtig, dabei den WIR-Charakter des Ganzen zu betonen: Sich gegenseitig zu bestärken und gemeinsam mehr zu erreichen als im Alleingang, das ist ein wichtiger Wert, den ich mit WEshare1 fördern möchte. Und zwar, indem ich das nötige «Rüstzeug» sowie eine Community zur Verfügung stelle, um das Thema gemeinsam mit den WEshare1 Botschafter:innen vorantreiben zu können.


[ Meine «erste» Geburt hat mir einen neuen Blickwinkel eröffnet. ]

Durch die Geburt meines Sohnes kam ausserdem der Blick aus Sicht einer Mutter und Partnerin auf das Thema hinzu. Job und Familie zu vereinbaren, stellte sich als herausfordernd dar und passende Stellen waren rar. Schlussendlich hatte ich das Glück, eine spannende Stelle in einem 60-Prozent Pensum zu finden. Hätte ich das Modell Topsharing damals bereits gekannt, wäre das für mich ein grosses Plus gewesen.


[ WEshare1 spiegelt meine Werthaltung wider. ]

Diversität, Kooperation und Authentizität sind zentrale Werte in meinem Leben: Mir ist es wichtig für unterschiedliche Blickwinkel offen zu sein. Ich bin der Überzeugung, dass WIR gemeinsam mehr erreichen als allein. Und ich möchte das, was mir als Wert wichtig ist, auch selbst leben. Werte sind für mich wie Leuchttürme, an denen ich mich orientiere, um Visionen zu erreichen und Entscheidungen zu treffen. All das fliesst jetzt bei WEshare1 zusammen.


Miteinander statt Ellenbogen-Mentalität, das entspricht mir sehr. In dem Fall hast du WEshare1 also wahrscheinlich mit einem oder mehreren Tandempartner:innen gegründet?

Das wäre toll gewesen, liess sich aber leider zu jenem Zeitpunkt nicht umsetzen. Bei sämtlichen möglichen Tandem-Partner:innen fehlten die Ressourcen, da entweder gerade Kinder auf die Welt kamen, ein Jobwechsel anstand oder Corona für zusätzliche Herausforderungen sorgte. Das war aber nicht so tragisch, da ich stattdessen mit tollen Botschafter:innen und Kooperationen ein Modell finden konnte, das trotzdem in die Nähe eines Jobsharings kommt. Quasi ein Sharing-Projekt. Ohne alle diese und viele weitere Menschen, mitunter mein Topsharing Partner @home und Irenka vom Verein Go for Jobsharing, hätte ich dieses Projekt unmöglich auf die Beine stellen können.


Neugierig bin ich jetzt, was denn der Pinguin damit zu tun hat, der überall auf deinen Profilen, im Logo sowie auf der Webseite von WEshare1 zu finden ist...

Kaiserpinguine sind für mich das Sinnbild für WIR-Kultur und Zusammenhalt. Männliche wie weibliche Pinguine teilen sich die Aufzucht der Küken als Topsharing-Tandem auf. Ausserdem halten sich die kleinen Pinguine in einer Art Kinderkrippe zusammen in der Kolonie auf und wärmen sich dort gegenseitig. Während der rabiaten antarktischen Winde formieren sich alle Pinguine kreisförmig, die Jüngsten im wärmeren Zentrum, und wechseln sich langsam im Kreis drehend ab. So können sich alle einmal im Zentrum aufwärmen. Das finde ich ein wunderschönes Bild, wie wir es schaffen, uns miteinander zu stärken und zu unterstützen. Das ist nicht nur WIR gross geschrieben, das ist WIR zu 100 Prozent gelebt.


Du sagst, dass du im Kleinen leben möchtest, wofür du im Grossen einstehst. Wie setzt du denn diese WIR-Kultur in deinem Umfeld um?

Mein Mann und ich leben beispielsweise ein Topsharing @home: Wir teilen uns Elternzeit und «Homework» auf – und profitieren meiner Erfahrung nach alle sehr davon: Mein Mann und ich, weil wir auf diese Weise nicht auf eine primäre Tätigkeit festgelegt sind, sondern Zeit finden für unsere diversen Lebensbereiche, Interessen und Leidenschaften. Und unser Sohn, weil er dadurch zu uns beiden eine enge Verbindung hat. Ausserdem mache ich mit meinem Sohn andere Dinge als mein Mann – Basteln zum Beispiel liegt mir gar nicht. Das hingegen kann er dann mit meinem Mann in die Tat umsetzen. So ergänzen wir uns gegenseitig – für mich ist diese Komplementarität ein wichtiger Aspekt vom Job-/Topsharing.


Das hört sich ja wunderbar an. Ist das aber auch immer so einfach, wie das jetzt klingt?

Einfacher machen könnten wir es uns sicher, wenn jeder von uns seinen eigenen Aufgabenbereich hätte und die Tätigkeitsverteilung klar voneinander abgegrenzt wäre. Die Challenge in solch einem Lebens- und Arbeitsmodell besteht im Austausch und in der Konfliktfähigkeit. Es braucht auf alle Fälle mehr Dialog miteinander, mehr Abstimmung untereinander ... und ja, logischerweise auch die Fähigkeit konstruktiv Konflikte austragen zu können. Ausserdem ist ein erhöhtes Mass an Flexibilität und Organisation zwischen einander gefragt. Das benötigt ein gewisses Investment – letztlich ist es der Benefit aber wert, der dabei entsteht.

Insofern ist Job- und Topsharing nicht für alle Personen gleichermassen geeignet. Bestimmte Voraussetzungen wie oben genannte sowie Teamfähigkeit ebenso wie eine offene und selbstreflektive Haltung sollten gegeben sein, damit es funktioniert.


Wir haben jetzt viel über Kooperation und Sharing gesprochen. In dem Zusammenhang ist mir aufgefallen, dass du sowohl als Fachspezialistin wie auch als Generalistin beruflich unterwegs warst. Das ist an sich gesehen ebenfalls ein kooperatives Zusammenführen verschiedener Aspekte – einfach auf andere Art. Bisher habe ich eher entweder das eine oder das andere erlebt. Wie geht das für dich zusammen?

Ich sehe das weniger als Widerspruch, sondern als ein Ineinanderfliessen und sich gegenseitiges Ergänzen. Als Fachspezialistin steht Fokussieren im Vordergrund und es dreht sich darum, einen Bereich vertieft zu betrachten. Als Generalistin im früheren Job hingegen musste ich den Überblick bewahren und die verschiedenen Facetten und Aspekte des Gesamtbilds sehen. Fokus setzen und dann auch wieder den Blick zu weiten sind für mich keine sich ausschliessenden Pole. Beides hat schliesslich seinen Reiz. Für mich macht es gerade dieses Hin- und Herschwingen von einem zum anderen spannend und ermöglicht es mir, das gleiche Ganze aus verschiedenen Blickwinkeln zu sehen.


Das hat auch etwas mit der richtigen Balance für sich zu tun ... ein wichtiger Aspekt, um eine erfüllende Lifebalance zu finden und zu leben. Du bist – by-the-way – auch noch ausgebildete Stress-Regulationstrainerin. Wobei gerätst du an deine Grenzen?

Viel Passion für ein Thema haben ist toll, immer und überall Passion geht aber auf Dauer nicht. Gerade, weil ich an vielem Interesse habe, ist es manchmal wichtig, die «Stopp-Taste» zu drücken – womit wir wieder beim oben genannten Fokus wären. Wir bewegen uns in einer komplexen Welt, in der ständig irgendetwas unsere Aufmerksamkeit fordert. Sich einerseits von dieser Hülle und Fülle bewusst abzugrenzen und sich Raum für sich selbst zuzugestehen; und sich andererseits nicht davon abzuschotten, sondern auch der Interaktion und dem Miteinander Platz in seinem Leben zu geben, ist für mich eine «Match-entscheidende» Kompetenz. Das Weitervermitteln dieser Kompetenz sollte noch viel stärker auch im Bildungswesen verankert werden.


Und was hilft dir persönlich mit Stressoren umzugehen?

Als Bewegungsmensch tanke ich beim Sport oder Spaziergehen auf. Auch mein Sohn erdet mich jedes Mal, wenn er mich mal wieder aus dem Stehgreif heraus mit seinen Fragen, Themen und Anliegen direkt ins Hier und Jetzt katapultiert. Ausserdem gehört für mich mittlerweile vor dem Einschlafen eine Meditation als Art tägliche «Seelenhygiene» zu meinem Leben dazu. Das fokussierte Wahrnehmen meines Körpers zeigt mir wie ein Stimmungsbarometer auf, ob mein Leben in Balance ist. Wenn es mir zu stressig wird, dann reagiert mein Körper. Einige reagieren mit Kopfschmerzen, bei mir reagiert der Bauch. Dann weiss ich, dass ich einen Gang runterschalten muss, versuche Druck rauszunehmen, organisiere mich um und schaffe mehr Ruheinseln für mich. Wie gesagt zeigt sich das bei jedem/r anders. Insofern sollte sich eigentlich jede/r bewusst werden, mit welchen Zeichen der Körper sein Bedürfnis nach Ruhe und Regeneration anzeigt; wie ein Grundkompass, den wir täglich lesen können.


[ Selbst-Mitgefühl und Selbstfürsorge sind zentral ]

Nein zu sagen braucht Mut und auch die richtigen Worte. Das ist nicht immer einfach. Doch an sich fängt die Stressregulation schon an, bevor die Stimmung gekippt ist und das Stressgefühl überhand nimmt. Ein Vergleich aus unserem täglichen Alltag verdeutlicht das sehr schön: Beim Zähneputzen stellt keine:r in Frage, dass das eine grundlegende Präventionsmassnahme für die Zahn-Gesundheit ist. Für unsere psychische wie physische Gesundheit sollte dasselbe für Stress-Prävention gelten.


Da hast du ein wichtiges Thema adressiert, das mir gerade in verschiedenen Kontexten immer wieder über den Weg läuft: Pay-Yourself-First ... agieren statt reagieren, bevor du ausgebrannt bist und die Energietanks leergelaufen sind. Danke für den Reminder. Können sich, glaube ich, die meisten von uns zu Herzen nehmen.


Nun möchte ich auch dich fragen, was der Begriff Heldin bei dir auslöst, was verbindest du damit?

Nachdem du mich für die Porträt-Reihe «Heldinnen des Alltags» angefragt hattest, wurde ich neugierig und wollte zuerst einmal wissen, was zum Begriff «Held» und «Heldin» im Internet zu finden ist. Schon spannend: Helden und Mythen zu starken Männern, die in den Kampf gehen und Grosses leisten, gibt es so einige. Beim Wort Heldin wird zuallererst darauf verwiesen, dass es das weibliche Pendant zu Held ist. Zudem ist der weibliche Begriff vorwiegend mit Menschen assoziiert, die sich aufopfern und für andere da sind.

Für mich persönlich ist das Wort zu stark am «ICH» orientiert. Mir liegt es näher, «heldenhaftes TUN» in den Fokus zu stellen. Sprich: Verhalten zu ehren, das zum grossen Ganzen beiträgt und die Gesellschaft, das Kollektiv weiterbringt. Schlussendlich spielt auch Glück mit, weshalb wir in bestimmte Positionen kommen. Ich selbst beispielsweise hatte Glück, in der Schweiz in einem privilegierten Umfeld aufgewachsen zu sein, in welchem ich eine gute Bildung geniessen konnte. Diese guten Startbedingungen haben längst nicht alle. Umso wichtiger finde ich es, nicht die heldenhafte Person an sich, sondern den heldenhaften Zweck für die Gesellschaft in den Vordergrund zu stellen.


Womit wir wieder bei der WE-Kultur wären ... das zieht sich wirklich sehr stringent und authentisch durch dein Leben.

Wenn du jetzt den Frauen bzw. den Menschen da draussen eine Essenz mit auf den Weg geben könntest, was wäre das?

Das eigene Potential entfalten und gleichzeitig das WIR kultivieren.

Trau dich, dein Selbst zum Ausdruck zu bringen und das Potential zu leben, das du in dir trägst. Schau Dich um, wer mit dir gemeinsam den Weg gehen könnte. Es gibt zahlreiche Menschen, mit denen du an einem Strang ziehen und Dinge, Themen, Projekte gemeinsam weiterentwickeln kannst. Zusammen lässt sich mehr erreichen als allein.

Grow Together!



Danke, liebe Karin, dass du uns auf die Spuren von Sharing-Empowerment geführt und uns den Mehr-Wert und die Benefits aufgezeigt hast, die durch gelebte WIR-Kultur entstehen.



Und ja ... das Baby hat mittlerweile das Licht der Welt erblickt. Wer ihm also mal einen Besuch abstatten und es näher kennenlernen möchte, der darf sich hierhin wenden:


WeShare1 bietet Privatpersonen und Unternehmen Unterstützung bei der Umsetzung von Jobsharing und Topsharing, liefert umfassende Informationen dazu und treibt das Thema in der WEshare1 Community voran.

www.weshare1.com


Ausserdem ist Karin Partnerin und Sharing-Buddy bei

Go for Jobsharing: Der Verein PTO (Part Time Optimisation) hat das Ziel, neue flexible Arbeitsmodelle wie Jobsharing und Topsharing zu fördern. Die Website www.go-for-jobsharing.ch und das Praxishandbuch von PTO bieten nützliche Informationen zu Job- und Topsharing-Modellen.


Dieser Beitrag passt ausserdem wunderbar zur aktuell laufenden Blogparade Inspirierende starke Frauen von Miriam Rombach/Mein-Lebenspiel.de . Ihre Worte: "Was mich beeindruckt hat: Die riesige Bandbreite an Powerfrauen aus wirklich allen Lebensbereichen und die wir alle kennen oder eben (noch) nicht kennen, die wir aber alle kennen sollten. Lasst uns gemeinsam diesen großen Inspirations-Schatz heben und eine große Liste voll mit starken Frauen erstellen." Et voilá ... mit Karin enthält diese Blogparade nun ein Powerfrau Role Model mehr! #blogparade #starkefrauen





Porträt-Reihe "Heldinnen des Alltags" von Happy by Nature
Beschreibung "Heldinnen des Alltags"






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