Alles Friede, Freude, Happinesskuchen, oder was?

[ Ein Plädoyer für’s Glücklich Sein I anlässlich des Weltglückstags am 20. März 2021 ]


Glück, Glückseligkeit, Happiness ... das klingt fast schon schnulzenhaft schön. Zu schön, um wahr zu sein. Schliesslich können wir nicht ständig auf «Wolke sieben» schweben, oder?


Stimmt genau! Und doch würden wir das am liebsten immer tun, wenn wir mal ganz ehrlich sind. Letztlich streben wir alle nach positiven Erlebnissen und Gefühlen, wer katapultiert sich schliesslich freiwillig und selbstbestimmt in Krisen oder Situationen, die unangenehm sind oder weh tun?



Warum wollen wir eigentlich Glücklich Sein?

In dieser Hinsicht spielt unser Stammhirn eine gewichtige Rolle, der älteste Teil unseres Gehirns, auch Reptiliengehirn genannt, der uns schon seit Urzeiten begleitet. In unserem Stammhirn sind Muster und Verhaltensreaktionen gespeichert, die unser Überleben sichern sollen. Nun ist dieses Ur-Gestein aber halt noch auf Gefahren getrimmt und versucht daher tunlichst alles zu vermeiden, um gefährliche, negative Gefühle herauf zu beschwören (weil es dann mit Flucht, Abwehr oder Angriff reagieren müsste) – und strebt stattdessen sichere, positive Gefühle und Situationen an. Wenn man so will ist uns das Streben nach Glück also quasi genetisch in die Gehirnschale gelegt und wir folgen damit nur einem tief in uns verankerten Trieb.

Mal ganz abgesehen davon fühlen sich Freude, Zufriedenheit und Leben im Flow schlicht und einfach Tausend-mal besser an als Angst, Trauer, Schmerz und Aggression. Oder wer würde schon von sich behaupten: «Ich will nicht glücklich sein!»



Also doch Friede, Freude, Happinesskuchen?

Weit gefehlt. Denn auch negative Gefühle haben ihre Berechtigung und sind wichtig für uns. Sie helfen uns nicht nur uns selbst zu schützen und abzugrenzen, sondern können uns auch dabei unterstützen, gewisse Situationen wie Abschied, Trauer, Konfrontation und Konflikt zu verarbeiten und loslassen zu können.

Beides ist wichtig, beides findet statt – das ist Leben! Was wären die Hoch’s ohne die Tief’s ... wenn immer alles nur «Happiness pur» wäre, dann wäre uns das ja gar nicht bewusst, dann wäre alles nur «gleichförmig». Auch wenn ich definitiv kein Kenner der chinesischen Philosophie bin, so kommt mir dabei unwillkürlich das Bild vom Yin-Yang-Prinzip in den Sinn – als zwei aufeinander bezogene duale Kräfte; das eine braucht das andere, das eine bedingt das andere, damit die Balance existiert. Pierre Stutz hat in dem Zusammenhang ein, wie ich finde, sehr treffendes Bild geprägt: Leere ist das Eingangstor zur Fülle. Nur, wenn ich Leere zulassen kann, mich auch hin und wieder leer fühlen kann, kann ich Fülle erfahren, kann ich mein Leben als erfüllt erleben. Denn wer beschenkt werden will, sollte die Hände frei haben.



Glücksgefühle brauchen Reibungsfläche – und Mut!

Unabhängig davon fühlen wir uns zwar in unserem sicheren, geborgenen Leben, in dem alles wie am Schnürchen läuft, wohl und durch und durch «hygge». Persönliche Entwicklung und Quantensprünge in jederlei Hinsicht passieren aber oftmals (oder darf ich sogar behaupten?: nur), wenn wir uns selbst- oder fremdbestimmt aus dieser Comfort Zone herausbewegen und Schritte in die Strech Zone wagen. Dorthin, wo Lernen und Entwicklung passiert.

Das geschieht, wenn wir unsere eigenen Grenzen ausdehnen oder gar sprengen, uns Herausforderungen stellen, schwierige Situationen meistern, Menschen, Dinge und Meinungen loslassen und mutig neue Wege gehen. Das konfrontiert uns mit allerlei schwierigen Gefühlen – keine Frage. Das ist aber auch «Growth Mindset», und das versorgt uns im Endeffekt wiederum mit Glücksgefühlen, weil wir uns als selbstwirksam erleben. Weil wir merken, dass wir selbst dazu beitragen können, unsere Fähigkeiten weiterzuentwickeln und damit etwas bewirken. Das macht stolz und zufrieden.


Happiness – das Wider und das Für

Und damit sind wir an dem Punkt angelangt, an dem selbst ich als so genannte «Happiness Trainerin» immer mal wieder mit dem Happiness-Begriff hadere. Zu sehr ist er in unserer Gesellschaft assoziiert mit

  • dem schnellen Glück (das sich «ehe gewonnen, so zerronnen» in Luft auflöst),

  • dem zufälligen Glück (das, was einem das Schicksal oder die Glückslotterie unbeeinflussbar beschert),

  • dem «I am happy – we are all happy»-Bild (das eitel Sonnenschein vermittelt).

Zu wenig spiegelt er die andere Seite der Medaille, die ebenso dazugehört und ebenso essenziell ist. Im Happiness Training ist das durchaus mitgedacht ... nicht umsonst wird neben dem Fokus auf positive Emotionen auch gleichermassen der Umgang mit herausfordernden Situationen (Resilienz) thematisiert. Und Resilienz bedeutet nicht nur, negativen Umständen zu trotzen, sondern auch schwierige Gefühle zuzulassen und zu durchleben, damit dadurch etwas transformiert werden kann. Gerne verwende ich daher auch den Begriff «Whole-Being» statt «Well-Being». Wir Menschen sind ganzheitliche Wesen. Uns nur auf die glücklichen Momente und Erfahrungen zu reduzieren würde uns nicht gerecht, noch wäre es erstrebenswert.



Happy Welt-Glückstag ... trotz allem!

Auch wenn es für die ein oder andere, den ein oder anderen allzu sehr nach Glücks-Geschwafel klingen mag, rufe ich in diesem Jahr mal bewusst zum Weltglückstag aus. Denn hei, wann besteht schonmal die Möglichkeit, einen ganzen Tag lang den Blick nur auf das Schöne im Leben zu richten (das andere gibt’s sowieso von selbst).

In diesem Sinne: Hoch lebe der heutige Weltglückstag ... als Einladung, sich mit all den Facetten von Glücks-Tum bewusst auseinanderzusetzen! Und schlichtweg auch, um ...


Einfach mal glücklich sein zu dürfen!



P.S.: Da ich der Meinung bin, dass ich nicht alles neu zu erfinden brauche, weil es schon so tolle Aktionen und Menschen gibt, noch ein Blick und eine «warmly recommendation» über den Länderrand hinaus: Gina Schöler vom Ministerium für Glück und Wohlbefinden in Deutschland lanciert jeweils punktgenau zum Weltglückstag eine kreative Impuls-Aktion, um Glück zu sähen (in seinem eigenen Leben wie in dem von anderen – was ja sogar erwiesenermassen noch glücklicher macht als nur sein eigenes Glück zu mehren). Es gab da schon den GlücklichStein, die GlücksGespräche, das GlückFürAlle-Plakat, den Pausenstuhl ... und in diesem Jahr gibt es das

GlücksGlas:

«Gestaltet zum Weltglückstag euer persönliches #GlücksGlas und sammelt darin besondere Erlebnisse und Emotionen. Oder überrascht damit liebe Menschen und verschenkt zur Feier des Tages aufmunternde Worte und schöne Erinnerungen. So wird das Glück greifbar und ihr seht, wieviel es gibt, wofür wir dankbar sein können. Für den Feinschliff gibt es ministeriale Etiketten und eine kleine Grußkarte zum Draufkleben und Dranhängen. Teilt gerne euer Glas unter dem Hashtag #GlücksGlas, markiert das Ministerium @ministeriumfuerglueck auf Facebook und Instagram oder schickt uns Fotos per Mail. Alle Infos zum #GlücksGlas findet ihr gesammelt unter www.MinisteriumFuerGlueck.de/GluecksGlas »






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